Meiner Wahrnehmung nach lassen sich drei verschiedene Beziehungstypen erkennen, die alle drei als Kompensationsverhalten für darunter liegende Ur-Ängste dienen.

In der Regel sind wir „Mischtypen“, wobei eine Energie besonders dominant und eine andere eher als ungeliebter, unbewusster Schattenaspekt in uns vorhanden ist.

WAS ENTSCHEIDET, WAS WIR SIND?

Ein Blick auf die Rollen unserer Eltern hilft uns, die in uns vorherrschenden Energien zu erkennen. Auch wenn wir mit uns in der Regel mit einem Elternteil solidarisieren und den anderen ablehnen (weil wir uns von ihm nicht so gesehen und geliebt fühlen für das, was wir sind), tragen wir in der Regel beide Rollen in uns, wobei eine eher als „unbewusster ungeliebter Schattenaspekt“ in uns vorhanden ist und die andere vielleicht sogar mit Ambition offensichtlich gehegt und gepflegt wird.

Beispiel: Meine Mutter als Aufopfernde und mein Vater als als Autonomer haben mir beide Grundenergien mit in die Wiege bzw. in mein Seelennaturell gelegt. Kannst du dir vorstellen, welch inneres Konfliktpotenzial darin steckt, wenn man sich der radikalen Freiheit auf der einen und der Pflicht auf der anderen Seite verschrieben hat, immer so zu handeln, dass die Bedürfnisse des Gegenübers ja erfüllt werden und keine Enttäuschung entsteht, um Disharmonien zu vermeiden?!

Genau aus solchen inneren Konfliktfeldern heraus kann sich allerdings ein wahnsinnig großes Lern-bzw. Befreiungspotenzial ergeben.

WAS DIESE ROLLEN IN UNSEREN BEZIEHUNGEN BEWIRKEN?

In der Regel suchen wir uns unbewusst Partner, die uns eine Bühne für diese Rollen geben. Das führt zu anstrengenden und teilweise sehr schmerzhaften Spiegeleffekten, weil die Ängste, die hinter diesen Rollen verborgen liegen, stets getriggert und bedient werden. Dieser Prozess dient dem Wachstum der Seele und ist teilweise unvermeidbar. Fakt ist: Manche Beziehungen funktionieren nur so lange, wie die Akteure der Beziehung an ihrer Rolle festhalten. Gelingt es einem Akteur diese Rolle loszulassen und dem anderen Akteur eben nicht, sich durch Heilung und Bewusstwerdung an das neue Beziehungsschema anzupassen, sind Trennungen in der Regel unvermeidbar und auch absolut notwendig.

KÖNNEN WIR DIE ROLLEN SWITCHEN?

Natürlich. Wie gesagt: In der Regel tragen wir alle drei Rollen in uns, wobei eine Energie meiner Wahrnehmung nach besonders dominant und eine andere eher als „Schattenaspekt“ in uns vorhanden ist. Es ist sogar möglich, dass sich die Rollen innerhalb der selben Beziehung abwechseln bzw. dass wir im Laufe unserer Beziehungshistorie unterschiedliche Rollen einnehmen – je nachdem, welche Ur-Angst von unserem Gegenüber hierbei getriggert wird.

Die Rolle, die uns in unseren Beziehungen, seitens unserer Partner am häufigsten begegnet, ist in der Regel ein Schattenaspekt unserer Selbst, von dem wir uns dissoziiert und abgespalten haben.

Beispiel: Jeder Autonome trägt auch die Verschmelzungsfantasien des „Bindungs-Junkies“ in sich, die allerdings so schmerzhaft für ihn waren, dass hier eine Abspaltung ins Unterbewusste stattgefunden hat bzw. jegliche Energie aufgewendet wird, um diesen verletzten Aspekt zu unterdrücken.

GIBT ES EIN ENTRINNEN AUS DIESEN ROLLEN?

Natürlichen können wir den unter den Rollen liegenden Ur-Ängsten massiv an Kraft entziehen, wenn wir Bewusstheit und Achtsamkeit für uns selbst entwickeln, mit den Rollen verknüpfte Verletzungen heilen, Verstrickungen lösen und uns durch einen Weg der Selbstheilung auf das Lernpotenzial ausrichten, das mit diesen Rollen einhergeht.

Nichtsdestotrotz glaube ich, dass wir uns – den Rollen unseres Seelenpotenzials entsprechend – in emotional triggernden Situationen immer wieder gerne hinter unseren Rollen verschanzen und immer ein wenig so ticken werden (was mit Mitgefühl, Geduld und viel Selbstlieben angenommen werden darf).

Die Frage ist nur: Lass ich mich von dieser Rolle beherrschen oder entwickle ich einen achtsamen, heilsamen Umgang damit?

Ich hebe diesen Punkt hervor, weil ich immer wieder wahrnehme, dass viele Menschen in Beziehungen oft glauben, sie oder ihr Partner könnten sich in ihren Rollen von einem Tag auf den anderen ändern. Auch wenn dies nicht sonderlich spirituell klingt. Hier ist Geistesklarheit gefragt. In dieser Hinsicht gilt zunächst einmal wirklich. Entweder du kannst deinen Partner mit diesem Naturell annehmen, oder du kannst es eben nicht. Sei hierbei ehrlich mit dir selbst. Wenn du massiv in der Rolle der Abhängigkeit steckst, wirst du mit einem Partner der sehr autonom veranlagt ist und noch stark mit den Energien dieser Rolle identifiziert ist, definitiv vorerst nicht glücklich werden (bzw. immer mehr leiden), auch wenn ihr auf Grund der sich spiegelnden Gegenpole in Beziehungen gern aufeinander trefft.

DIE ROLLEN UND DIE DARUNTER LIEGENDEN UR-ÄNGSTE

ROLLE 1: DER/DIE AUTONOME

Verhaltensmuster: Streben nach Unabhängigkeit und Freiheit – Ur-Angst: Die Angst vor Kontrollverlust , Verletzung und Verlassenheit –- Lernpotenzial: Vertrauen entwickeln, Hingabe und Nähe zulassen, ohne sich darin zu verlieren

Der Autonome will vor allem eines: Unabhängigkeit und die Kontrolle darüber, wie nah er seine Mitmenschen an sich heranlässt. Er braucht die Gewissheit, dass er sich jeder Zeit unbeschadet aus einer Beziehung aus dem Staub machen kann. Dieser Drang zur Unabhängigkeit erfolgt nicht aus freien Stücken. Der Autonome wird von einer ständigen – oft unbewussten – Angst geplagt, verlassen zu werden. Abhängigkeit ist für schier unerträglich und kann seine Psyche so sehr belasten, dass er lieber verlässt, bevor er verlassen wird. Ist diese Energie sehr stark in dir vorhanden, wirst du in Beziehungen immer ein ausreichend großes Guckloch in die Freiheit brauchen. Die Zwanghaftigkeit dahinter lässt sich reduzieren, doch dein Drang zur Freiheit und Unabhängigkeit darf und soll liebevoll angenommen und bei der Partnerwahl berücksichtigt werden.

ROLLE 2:  DER/ DIE AUFOPFERNDE

Verhaltensmuster: Selbstaufopferung & Co-Abhängigkeit – Ur-Angst: Die Angst vor Wertlosigkeit – Lernpotenzial: Selbstwert stärken und erkennen, dass er als Mensch auch ohne seine Rollen der Aufopferung vollkommen wertvoll ist

DER AUFOPFERNDE kann gar nicht anders als seine/ihre Angst vor Wertlosigkeit dadurch zu kompensieren, als seinen Mitmenschen zu beweisen, dass er wichtig und liebenswert ist. In seinen Beziehungen nimmt er gerne die Erlöser-Rolle ein, bemüht sich mit allen Mitteln darum, die Probleme des Partners zu „heilen“ und zu fixen. Seine Bedürfnisse stellt er hinten an und er verliert sich leicht in Co-Abhängigkeiten. In dem Moment, in dem der AUFOPFERNDE die Verbundenheit zu sich selbst wiederherstellen und seine eigenen Bedürfnisse mehr achten möchte, stellen sich schnell Schuldgefühle ein, die ihn dann doch wieder daran hindern, endlich im Einklang mit seiner inneren Wahrheit zu handeln. Dies bedarf eine konsequente Heilung von Verstrickungen und Co-Abhängigkeiten, die bis weit ins Familiensystem hineinreicht. „ICH LASSE DEINES BEI DIR“ darf bei aller auch liebevoll gemeinter Empathie zum Mantra für den Aufopfernden werden. Sonst kann es sein, dass der Aufopfernde sein Leben lang Beziehungen führt, in dem er immer nur gibt und nichts empfangen kann.

ROLLE 3: DER/DIE ABHÄNGIGE

Verhaltensmuster: Zwanghaftes Streben nach Nähe, Intimität und Partnerschaft – Ur-Angst: Die Angst vor Mangel und dem Alleinsein – Lernpotenzial: Innere Freiheit und Unabhängigkeit stärken und sich verbinden anstatt zu verstricken

DER ABHÄNGIGE kommt nicht weg von dem süchtig machenden Gedanken, dass er Vollkommenheit und Ganzheit im Leben nur in einer Partnerschaft erreichen kann. Er will auf Biegen und Brechen Intimität und kann nicht genug von Nähe bekommen, von der er sich Sicherheit verspricht. Lieber verharrt er in toxischen Beziehungen als alleine zu sein. In seiner Beziehung neigt er dazu, die Rolle des klammernden Opfers einzunehmen. Er fühlt sich als Opfer, weil er so viel für die Beziehung geben möchte und es von seinen meist zur Autonomie neigenden Partnern nicht erwidert wird. Dem Abhängigen fällt es im Vergleich zum Autonomen viel schwerer von der Illusion loszulassen, dass irgendwann eine Beziehung ins Leben tritt, die alle Wunden heilt und jene Sinnhaftigkeit schenkt, die selbst nicht in sich gefunden werden kann. Gleichzeitig besteht zwischen dem ABHÄNGIGEN UND AUTONOMEN eine Art Seelenverwandtschaft und es ist durchaus möglich, dass sie in ihren Beziehungen die Rollen tauschen oder in späteren Beziehungen die entgegengesetzte Rolle einnehmen.

Wo hast du dich erkannt? Welche Rollen bzw. Grundenergien trägst du in dir? Wo ziehst du Partner*innen an, die dir den Gegenpol bzw. den Schattenaspekt spiegeln?

Ich wünsche dir von Herzen, dass dieser Blogpost Klarheit und Bewusstheit in dir gestiftet hat bzw. das antriggern konnte, was der Heilung und Befreiung bedarf.

Mein dazugehöriger Beziehungs-Workshop unterstützt dich durch Impulse, Inspirationen und kraftvolle Selbstheilungs-Tools dabei, genau diesen Weg zu ebnen, alte Verletzungen zu heilen, Verstrickungen zu lösen und Freiheit, Ehrlichkeit und Selbstliebe in der Beziehung zu dir selbst und daraus resultierend auch in deinen Beziehungen zu finden.

Wenn du für dich erkannt hast, dass es für dich auf Grund deiner hohen Sensitivität schwierig ist, deine Grenzen und Bedürfnisse zu wahren und du zu Co-Abhängigkeiten neigst (weil du erstens alles spürst, was in deinem Gegenüber vorgeht und zweitens denkst, du müsstest es tun), empfehle ich dir das nachfolgende Format “(Nicht) von dieser Welt”, in der speziell auf die Bedürfnisse hochempathischer, sensitiver Menschen in Beziehungen eingegangen wird.

Alle Infos und Details für die Workshops in München, Stuttgart, Köln, Hamburg, Wien und Berlin findest du hier.

Ich freue mich auf dich!