Wenn wir zum Kern unser leidvollen Beziehungsgeschichten dringen, werden wir feststellen, dass wir darin stets einen Part des “Dramadreiecks” eingenommen und den Schmerz ausagiert haben, der mit diesem Part einhergeht.

Hierbei gibt es drei Varianten:

  1. Wir fühlen uns als Opfer und projizieren in unser Gegenüber den Täter hinein, der unsere Bedürfnisse nicht erfüllt und unsere Gefühle des Ungeliebtseins triggert.
  2. Wir fühlen uns als Täter*in, der unser Gegenüber verletzt hat, fühlen uns gleichzeitig schuldig und wütend auf das Opfer, das uns das Gefühl gibt, ein schlechter Mensch zu sein.
  3. Wir haben das Gefühl, wir müssten unsere Partner und die Beziehung retten und avancieren zum co-abhängigen Retter / zur Retterin der Beziehung.

Alle drei Rollen beruhen auf ungeheilten Verletzungen aus der Vergangenheit auf Innerer-Kind-Ebene, die Gefühle der Schuld und des Ungeliebtseins hinterlassen haben und nun in unseren Beziehungen an die Oberfläche treten. Meist wurden diese Rollen auch von unseren Eltern an uns weitergegeben. Welche Rolle hat dein Vater in seinen Beziehungen gespielt? Welche Rolle deine Mutter? Du darfst sicher sein, dass du beide Rollen in dir trägst, ob du das möchtest oder nicht. Die Rolle, mit der du dich mehr solidarisierst, wirst du offensichtlich ausagieren, jene, die du ablehnst, ist ein Schattenaspekt von dir, der mit Selbsthass und Schuld überlagert ist.

In Wahrheit tragen wir ohnehin alle drei Rollenkonzepte in uns. Warum das so ist, lässt sich an Beispielen gut erklären:

Die Verletzungen, die wir als Opfer erlitten haben, werden wir als Täter weitergeben. Beispiel: Du wurdest in deinen vergangenen Beziehungen sehr verletzt und hast Mauern um dein Herz gebaut. Das bedeutet, dass du in deinen zukünftigen Beziehungen, Probleme haben wirst, dich einzulassen. Du wirst Menschen deswegen immer wieder zurückweisen.

Und als Täter werden wir uns zum Opfer machen, um uns nicht schuldig fühlen zu müssen. Beispiel: Du fühlst dich schuldig, weil du die Bedürfnisse deines Partners nicht erfüllen kannst. Du wirst beginnen, deinem Partner Vorwürfe zu machen und dich selbst in die Opfer-Rolle hineinmanövrieren, um die Schuld für das Drama nicht mehr länger tragen zu müssen.

Die generelle Schuld und die Gefühle der Wertlosigkeit, die wir in uns spüren, versuchen wir über die Rolle des Retters / der Retterin zu kompensieren. Gemäß dem Glaubenssystem: Wenn ich meine Partner erlöse, bin ich sicher, habe ich Kontrolle über die Beziehung, muss ich mich durch das Ungleichgewicht nicht meinen Gefühlen der Wertlosigkeit und meiner Verlustangst stellen. Auch in dieser Rolle steckt eine massive Verlustangst und Bedürftigkeit (klassische Attribute der Opferrolle) , die wir in der Rolle des Retters / der Retterin nur nicht spüren müssen.

Warum erzeugen diese Rollen so viel Drama in unseren Beziehungen? 

  • Weil wir in der Opfer-Rolle zu einer übersteigerten Abhängigkeit neigen und unsere Partner unbewusst dazu instrumentalisieren, unsere Bedürfnisse zu erfüllen und uns innerlich ganz und heil zu machen. Was wir dadurch ernten? Ablehnung und Herzensbrüche durch enttäuschte Erwartungen.
  • Weil wir in der Täter-Rolle rebellischer, selbstbewusster und uabhängiger als unser Opfer-Gegenüber wirken mögen, unsere Abhängigkeit aber nur durch zwanghafte Unabhängigkeit kaschieren. So werden wir unser Gegenüber immer wieder zurückstoßen und Spiele spielen, die uns noch mehr Schuld anhäufen lassen und unsere natürliche Bindungsfähigkeit schädigen
  • Weil wir uns in der Retter-Rolle so sehr unter Druck setzen, unsere Partner zu erlösen, dass uns jede Beziehung unsere Lebendigkeit raubt und verhindert, dass wir zurückkriegen können, was wir investieren. Dieses Ungleichgewicht, das wir ursprünglich durch unsere Selbstaufopferung erzeugt haben, macht uns wütend und lässt uns ausbrennen. Gleichzeitig ermöglicht es uns aber, uns sicher und geborgen in Beziehungen zu fühlen.

WIR HALTEN FEST: JEDE ROLLE BEZIEHT IHRE KRAFT AUS UNGEHEILTEN VERLETZUNGEN DES UNGELIEBTSEINS AUS DER VERGANGENHEIT, DIE WIR NUN ZU KOMPENSIEREN VERSUCHEN. JEDE ROLLE SUCHT SICH DURCH PROJEKTION DER VERGANGENHEIT IN DAS JEWEILIGE GEGENÜBER ENERGETISCH IMMER IHREN GEGENPART, SODASS ES ZU SCHMERZVOLLEN SPIEGELUNGEN KOMMT, DIE BEZIEHUNGSDRAMA, TRENNUNG UND WEITERE SCHULD ERZEUGEN. ENTLARVEN WIR UNSERE ROLLE UND NEHMEN VERANTWORTUNG, DAS ZU HEILEN, WAS IHR ZU GRUNDE LIEGT, KÖNNEN WIR SCHRITT FÜR SCHRITT AUTHENTISCHE LEBENDIGE BEZIEHUNGEN AUSSERHALB DES SCHMERZ-DREIECKS FÜHREN. 

Entlarvt! Lass uns jede dieser Rollen nun etwas genauer unter die Lupe nehmen.

(1) DAS OPFER: Wir alle tragen unerlöste Opfer-Rollen in uns, so sehr wir uns auch vehement dagegen wehren, ein Opfer zu sein. Dass wir uns in einer Opfer-Rolle befinden merken wir daran, dass wir uns an Groll, Trauer und Schmerz festhalten und dem Gegenüber die Schuld geben, dass unsere Bedürfnisse nicht erfüllt wurden. Wir können uns nicht nur als Opfer unserer Mitmenschen, sondern auch ganz generell als Opfer der Welt oder als Opfer von Gott empfinden. Was das Thema Partnerschaft anbelangt, befinden wir uns alle in einer subtilen oder offensichtlichen Opferrolle. Wir projizieren in unsere Partnerschaft hinein, dass sie uns heil, ganz und glücklich machen. So ist jede Opfer-Rolle auch immer ein Resultat unserer Bedürftigkeit. Je öfter wir verletzt wurden, desto mehr suchen wir nach Erlösung im Außen durch Partnerschaft und glauben das Recht zu haben, diese Opferrolle einnehmen zu können. Das können wir tun! Schlechte Nachrichten hierbei: Durch die Brille des Opfers wählen wir unbewusst immer wieder Partner aus, die für uns die Täterrolle ausagieren, sodass über kurz oder lang neuer Nährboden für weiteres Drama bereitet wird.

IN BEZIEHUNGEN NIMMST DU IN DER ROLLE DES OPFER STETS DEN BEDÜRFTIGEN PART EIN.

Warum wir an unseren Opfer-Rollen festhalten

Weil wir insgeheim oder offensichtlich zu bequem sind, Eigenverantwortung zu übernehmen. Weil wir uns davon Erlösung und Liebe im Außen versprechen. Weil wir unser Leben lang so viel Wut unterdrückt haben, dass sich diese nun zu einer zähen Schicht aus Groll entwickelt hat, die uns in der Opferrolle festkleben lässt.

Wie wir die Opfer-Rolle loslassen können? 

Der Schlüssel ist Eigenverantwortung und die Bereitschaft zur Erkenntnis, dass unsere Partner nicht da sind, um unsere Bedürfnisse zu erfüllen (unsere Erwartungen sind umso höher, je mehr wir unseren Opfer-Geschichten glauben schenken). Alle Storys, die wir uns im Opfer-Modus erzählen, z.B dass wir verlassen wurden, dass unsere Eltern uns nicht geliebt haben, dass uns dies oder jenes im Leben widerfahren ist, dürfen und sollen gewürdigt werden. Es ist jedoch wichtig, diesen Geschichten die Kraft zu entziehen, die sie über unser Leben haben, den Schmerz, der dadurch entstanden ist, zu fühlen und die dadurch entstandenen Glaubenssätze der Ungeliebtseins loszulassen. Diese bilden das Fundament für den Opfer-Filter, durch den wir die Welt und unsere Partner wahrnehmen und ziehen Menschen in unser Leben, die diesen Filter weiterhin nähren und aufrechterhalten. Übrigens: Selbst wenn wir all unsere inneren Opfer erlöst haben, besteht keine Garantie, dass du nie wieder verlassen wirst. Doch was ist Verlust und Ablehnung ohne die leidvolle Story der Unwürdigkeit, die wir uns dazu erzählen? Richtig. Wir werden eben verlassen, ohne dass dies Einfluss auf unseren Selbstwert hat. Was übrig bleibt: Ein bisschen Trauer. Ein bisschen Schmerz. Aber keine schmerzvolle Opfer-Geschichte, an der wir ewig lang festhalten. That’s it.

(2) DER TÄTER / Die TÄTERIN: … war irgendwann mal Opfer, sonst hätte er überhaupt keinen Zugang zur Täterrolle. Der Täter gibt immer nur jene Verletzungen weiter, die er selbst erlitten hat. Der Täter fühlt sich immer genauso minderwertig und klein wie das Opfer und bezieht die Energie für seine Täterrolle aus all der Schuld, die er in sich trägt. Unabhängig davon, ob er wirklich einen Fehler gemacht hat oder nicht, gibt sich der Täter für alles die Schuld, projiziert diese Selbstverurteilung dann auf das Opfer und behauptet: “Immer hab ich die Schuld an allem! Durch die Brille des Täters wählen wir unbewusst immer wieder Opfer aus, um dieser Dynamik weiterhin Antrieb bieten zu können. Als Täter sind wir zögerlich uns einzulassen, weil wir nicht erneut zum Opfer gemacht werden wollen und fürchten uns, erneut als falsch und “nicht gut genug” entlarvt zu werden.

IN BEZIEHUNGEN NIMMST DU IN DER ROLLE DES TÄTERS IMMER DEN UNABHÄNGIGEN PART EIN.

Warum wir an der Täter-Rolle festhalten

Weil wir uns durch die Schuld, die wir auf uns laden immer noch weiter selbst bestrafen wollen. Weil wir die Täter-Rolle jener der Opfer-Rolle so lange bevorzugen, bis unsere Schuldgefühle so groß werden, dass wir uns zum Opfer machen, um sie wieder loszuwerden. Weil wir uns in der Täter-Rolle stärker und unabhängiger fühlen und somit unsere Opfer-Rollen vor uns selbst verbergen können. 

Wie wir die Täter-Rolle loslassen können

Um die Täterrolle loszulassen, sind wir aufgerufen, den Spiegel anzunehmen, den uns unser Opfer-Gegenüber vorhält und jene Verletzungen in uns zu heilen, die wir ihm/ihr zufügen. Hierbei ist es wichtig, uns für einen Weg der Selbstvergebung zu entscheiden, unsere Verletzlichkeit zu würdigen und zu erkennen, dass wir zu jeder Zeit unser Bestes gegeben haben und nicht anders konnten. Das bedeutet nicht, der Verantwortung für unser Handeln abzugeben. Es bedeutet viel mehr eine liebevolle, mitfühlende Haltung uns selbst gegenüber einzunehmen, uns selbst zu vergeben und dadurch auch eine mitfühlende Haltung gegenüber unserem Opfer zu entwickeln, um Verzeihung zu bitten und die Vergangenheit ruhen zu lassen. Schuldgefühle dienen niemanden etwas. Weder dir, noch dem Opfer. Sie halten die Trennung und das Drama aufrecht und hindern uns daran, weiterzugehen. Je mehr Schuldgefühle wir im Hinblick auf unsere Vergangenheit in uns tragen, desto bindungsunfähiger werden wir und desto mehr Herzensbrüche werden wir aus dem inneren Konflikt aus der Sehnsucht nach Nähe und tiefen Gefühlen der Unwürdigkeit verursachen.

(3) Der Retter / die Retterin: Wie ein Märtyrer schmeißt sich der Retter / die Retterin in ihre Beziehungen und sendet ihrem Gegenüber subtil oder offensichtlich das Signal aus: “Hier bin ich gekommen, um dich zu retten und deinen Schmerz für dich zu tragen! Ich mach dich heil und rette somit unsere Beziehung!” Diese Rolle ist eine wahnsinnig hartnäckige Ego-Dynamik, die auf Ahnenmustern und Inneren-Kind-Dynamiken basiert – vielleicht haben wir bereits als Kind begonnen, den Schmerz unserer Eltern “zu schlucken” und uns verantwortlich zu fühlen. Oder haben uns früh abgelehnt und ungeliebt gefühlt, was wir nun durch die Retter*innen-Rolle wieder gut zu machen versuchen- Durch diese Rolle rauben wir uns selbst unsere Freiheit und unsere Lebendigkeit und sind gleichzeitig unfähig, Liebe zu empfangen, weil uns dies in eine verwundbare Position bringen würde, die wir durch das Ungleichgewicht an Macht in der Beziehung zu vermeiden versuchen. Interessant an der Retter-Rolle ist, dass wir uns trotz unserer Aufopferung nie genug fühlen werden. Es bleibt immer ein bitterer Restgeschmack von “Was ich gebe, reicht immer noch nicht aus und wird nicht auf die Weise gewürdigt, wie ich sie mir wünsche.” Hinter der Rolle des Retters / der Retterin steckt ein gewaltiges Paket an Bedürftigkeit, Verlustangst und Schuld, das in dem Moment zu Tage tritt, wo wir versuchen, aus dieser Rolle auszutreten. In dem Moment entstehen in uns tiefe Gefühle der Unwürdigkeit.

IN BEZIEHUNGEN NEHMEN WIR IMMER DEN AUFOPFERNDEN PART EIN UND SUCHEN PARTNER, DIE WIR RETTEN UND ERLÖSEN KÖNNEN. 

Warum wir an der Retter*Innen-Rolle festhalten

Um unsere Verlustangst, Bedürftigkeit und gefühlte Unwürdigkeit nicht spüren zu müssen. Um Macht und Kontrolle über unsere Partner zu haben, was unsere Verlustangst für den Moment reduziert. Um eine “Lebensaufgabe” zu haben. Weil wir uns selbst überschätzen und uns zu wichtig nehmen. 

Wie wir die Retter*innen-Rolle loslassen können

Knifflig! Meiner Ansicht nach sind folgende Heilungslektionen notwendig, um nachhaltig Selbstaufopferungsmechanismen in unseren Leben loszulassen

  • Wir müssen uns unseren ungeheilten Bedürftigkeiten und Verlustängsten widmen, die den Nährboden für die Retter-Rolle bereiten. Darin hilft es uns, die Projektion zurückzunehmen und zu erkennen, dass wir durch unsere Rolle eigentlich selbst gerettet werden möchten.
  • Wir müssen unser Glaubenssystem überprüfen und jene Glaubenssätze und inneren Programme loslassen, die uns vorgaukeln, dass wir nur in der Erlöserrolle liebenswert und würdig seinen
  • Wir müssen lernen, den Schmerz zurückzugeben, den wir für andere übernommen haben und keine Verantwortung mehr für die Inneren Kinder unserer Partner zu übernehmen. Das führt nur zu ungesunden Verstrickungen!
  • Wir dürfen üben, unsere Partner in die Freiheit zu entlassen und uns jenen Ängsten stellen, die hochkommen, wenn jene nicht mehr länger von uns abhängig sind.

Wichtig zu erkennen ist außerdem, dass wir in unterschiedlichen Beziehungen unterschiedliche Rollen spielen können. Es kommt immer auf den Spiegel an, den uns unser Partner vorhält! Es lohnt sich, die Verletzungen zu heilen, die diesen Rollen zu Grunde liegen und die damit einhergehenden Dynamiken loszulassen. Außerdem darfst du in deinen Beziehungen achtsam sein und beobachten, wann du in einer dieser Rollen abdriftest. Es ist dann wichtig, dich gut um dein Inneres Kind zu kümmern, die schmerzvollen Gefühle zu fühlen und dich gegen die Rolle und für die Augenhöhe zu entscheiden.

Ich wünsche dir viel Erfolg, Freude und Heilung beim Erkennen deiner Dynamiken! Lasst es uns leicht nehmen und erkennen, dass wir Lernende sind und diese Lektionen mit Freude und Leichtigkeit gelernt werden dürfen.

Mein Beziehungsworkshop “Love (W)holy” wird dir hierbei unter die Arme greifen und dir zeigen, wie du ungesunde Innere-Kind-Dynamiken heilen kannst, du die Beziehung zu dir selbst von Schuld und “Ich bin nicht gut genug”-Dynamiken befreien und einen heilsamen Umgang mit Sehnsucht und Bedürftigkeit finden kannst, ohne dich in deinen Beziehungen zu verlieren. Das Leben ist zu wertvoll, um unsere Beziehungen in schmerzvollen Rollen der Abhängigkeit, zwanghafter Unabhängigkeit oder Selbstaufopferung zu leben.

Alle Infos und Details zur Anmeldung für die Termine in Berlin, Hamburg, Wien, Dresden, Köln, Stuttgart, Wien und München findest du hier: >> https://seelenrave.de/love-wholy-beziehungsworkshop/

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Dein