Unsere Muster und die darin gebundenen Emotionen beherrschen uns so lange, bis wir sie bewusst machen, heilen und integrieren. Dies beginnt damit, in dem wir ihnen die Türe zur Bewusstwerdung öffnen, ja ihnen die Möglichkeit geben, vollkommen präsent zu werden. Wenn wir dann mit ihnen in Kontakt treten, erfahren wir oft die erstaunlichsten Dinge über uns selbst und entlarven unbewusste Strategien unseres Unterbewusstseins, die uns zwar in unseren Mustern, Ängsten und negativen Gefühlen festzuhalten scheinen, dabei aber immer auch einen Vorteil für uns generieren, an dem wir uns – natürlich auch unbewusst – mit aller Kraft klammern.

Um Muster und Ängste nachhaltig zu heilen, müssen wir auch immer den unbewussten Vorteil entlarven und den noch tiefer liegenden Schmerz heilen, den dieser Vorteil zu kompensieren und vermeiden versucht.

Klingt in der Theorie kompliziert, oder? Finde ich auch. Und deswegen möchte ich dir hier ein Interview zeigen, das ich mit einem bindungsängstlichen Anteil meiner Selbst geführt habe, um ihn in seiner ganzen Komplexität zu begreifen (und ja, manche hartnäckigen Muster wollen in ihrer ganzen Komplexität bewusst gemacht werden, um nachhaltig transformiert werden zu können). Ein Interview, das dir das nicht immer so leicht durchschaubare aber auf höherer Ebene absolut Sinn machende Zusammenspiel ungeheilter, unbewusster Innerer-Kind-Anteile vor Augen führen soll, das sich in rational oft nicht greifbare Verhaltens-Glaubens- und Gefühlsmuster äußert. Und vor Augen führen soll, dass für uns fühlbare negative Emotionen oft nur noch tiefer sitzende unbewusste Blockaden, Muster und Gefühle zu kaschieren versuchen, die wir aus Scham vor uns selbst versteckt halten.

Ich möchte dich damit inspirieren, selbst auf Tuchfühlung mit deinen unbewussten, oft sehr verletzen, dunklen Anteilen deiner Selbst zu gehen, sie zu heilen und zu integrieren und vor allem die Weisheit zu nutzen, die ihnen zu Grunde liegt.

Anlass für dieses Interview war ein sehr hartnäckiges Muster, was sich in all meinen Beziehungen – sei es innerhalb eines eher unverbindlichen Dating-Kontextes oder in stabilen Partnerschaften immer wieder zeigt. Eine tiefsitzende Ur-Angst in mir, die Erwartungen und Projektionen meines Gegenübers nicht erfüllen zu können, mein Gegenüber dadurch zu verletzen und mich schuldig und falsch dafür zu fühlen. Natürlich schürt dieses Muster jegliche Form von Bindungsangst, die als Schmerzvermeidungsmechanismus wirkt und alles daran setzt, uns vor der Reaktivierung gewisser, schmerzvoller Muster in Beziehungen zu schützen. Und nein. Da hilft auch die völlig verständliche und stimmige spirituelle Erkenntnis darüber, dass es nicht meine Aufgabe ist, die Bedürfnisse meiner Mitmenschen zu erfüllen und Wahrhaftigkeit und Authentizität unverzichtbare Beziehungselemente sind, nur bedingt. Weil Heilung verstehen und emotional verinnerlichen eben nicht das Selbe ist. Ich spürte, dass es an der Zeit war, noch tiefer in dieses Muster vorzudringen und einen weiteren wertvollen Heilungsimpuls zu setzen. Tun wir dies nicht, wiederholen sich die ungelernten Heillektionen nämlich. Und interessanter Weise bemerkte ich, dass ich in letzter Zeit immer und immer wieder erneut solche Situationen in mein Leben zog, in der sich genau dieses Muster komprimiert und in aller Deutlichkeit zeigte.

INTERVIEW MIT EINEM BINDUNGSÄNGSTLICHEN ANTEIL, DER SICH WAHNSINNIG SCHULDIG UND FALSCH FÜHLT, WENN ER NICHT DIE ERWARTUNGEN UND PROJEKTIONEN DES GEGENÜBERS ERFÜLLEN KANN

Wer bist du?

Ich bin deine dunkelste Beziehungsprojektion. Dein verletztester Anteil, der auch in deinem Gegenüber nur Schmerz, Verletzung, Bedürftigkeit und Opfer sieht.

Was sind deine Gefühle?

Mickrig, klein, schuldig und voller Scham. Das ist mein Kostüm. Und darunter. Ganz viel Wut und Trotz. Ha, aus Rache für meine Verletzungen verletze ich nun meine Partner, wie soll ich auch anders, ich bin selbst ein Opfer und jetzt möchte ich auch andere zu einem machen! Das ist mein Geheimnis. Nach außen möchte ich aber ganz scheinheilig das Gefühl von Schuld demonstrieren und ich lasse auch dich nur das Gefühl von Schuld spüren, lieber Ludwig. Durch die Schuld, die uns klein hält,  machen wir uns erneut zum Opfer, sodass wir keine Täter sein müssen.

Was würde passieren, wenn ich dich heilen würde?

Du wärst frei. Du müsstest deine Opfer-Geschichte loslassen. Du könntest dein Herz noch weiter für Liebe und Nähe öffnen.

Und was hindert mich daran, dies zu tun?

Ich bin deine beste Ausrede. Dein EntSCHULDigung dafür, dass du frei bleiben kannst. Ich möchte Nähe verhindern um jeden Preis. Ich möchte die Trennung. Ich möchte die Mauern. Ich möchte die Unabhängigkeit.

Wozu diene ich dir also?

Das hab ich doch eben schon mal gesagt. Du trennst dich von dir selbst ab durch die Schuld, sodass sich dieses Selbst nicht binden kann, nicht loslassen kann. Es wird ausgeklammert. Von der Trennung der Schuld.

Wie kann ich dich heilen?

Verstehst du nicht. Ich möchte keine Heilung. Uns geht es doch gut. Versteh doch. Wir bleiben für uns und alles Drama bleibt uns erspart.

Wie könnte ich dich von einer Heilung überzeugen?

Indem du  noch konsequenter lernst für dich einzustehen und diese lächerliche Schuld-Geschichte, die du dir ja langsam selber nicht mehr abnimmst, endlich loslässt. Indem du kein Streben nach Unabhängigkeit mehr brauchst, weil es keine Abhängigkeit mehr zu kompensieren gibt, die in bedürftigen Inneren-Kind-Anteilen geschürt wird. Weil du frei bist.

Wie kann ich diese Heilung bewirken?

Na schön. Ich verrate es dir. Indem du die Wut , den Trotz und die Opfergeschichte löst, hörst du auf, das Opfer in anderen zu sehen. Indem du dich der Scham gewisser Innerer-Kind-Anteile noch weiter annimmst (ja uns es ist ein Kernthema von dir), gestehst du dir noch mehr ein, deine innere Wahrheit als einzig stimmigen Leitfaden zu kommunizieren und zu leben. Indem du das heilst, was andere manipuliert, um geliebt zu werden, bist du integrer und baust keinen Mist mehr, der andere verletzt und erneut diese lächerliche Schuld-Geschichte hervorholt.

Und wenn ich noch tiefer Heilung bewirken wollen würde?

Dann heile die  zu deiner Mutter, mit der du dich noch immer solidarisierst in eurer gemeinsamen Schuld. Gib sie ihr zurück. Gib ihr das, was sie braucht, um ihre Wahrheit zu leben.

Gibt es ein besonderes Trauma zu lösen?

Mit fünf Jahren warst du so wütend, dass du beschlossen hast, niemanden mehr an dich ranzulassen. Gleichzeitig hast du dich hierfür so schuldig gefühlt, dass du dich von der Wut abgespalten und dich nur noch über das Schuldgefühl identifiziert hast.

Gibt es noch etwas zu wissen für mich?

Du machst das gut. Ich werde kooperieren. Aber nur, weil du es bist.

….

Wie du siehst, war das Interview mit diesem Anteil äußerst aufschlussreich, um unbewusste Intentionen und Absichten dieses Anteils zu entlarven, die sich in seinem Fall durch massive Schuldgefühle tarnten. Solch verkappte Muster und Emotionen hütet unser Unterbewusstsein wie einen Schatz. Es handelt sich hierbei um Geheimwaffen, die wir rein rational nicht begreifen können und die immer dann genutzt werden, wenn emotional gewisse Assoziationen mit alten Traumen, Schocks und Mustern geweckt werden, die dann durch gewisse unbewusste Strategien (vor denen wir uns teilweise selbst erschrecken, weil sie uns mit einer meist sehr intensiven Gefühlsladung zu übermannen scheinen) bekämpft werden.

In diesem Fall war es wahnsinnig wichtig, an des Pudels Kern vorzudringen. Wohingegen die getriggerten Schuldgefühle nur die Spitze des Eisbergs als oberste für mich fühlbare Gefühlsschicht ausmachten, wartete darunter der noch nicht bewusst gemachte und noch nicht integrierte “Täter-Anteil”, der in seinem erfahrenen Schmerz nun Macht und Kontrolle ausüben wollte. “NIE WIEDER OPFER SEIN”, lautet seine Grunddevise.Wie funktioniert dies am Besten? Natürlich durch Partner, deren Erwartungen und Bedürfnisse er sowieso nicht erfüllen kann und die ihm das Gefühl von Überlegenheit suggerieren. Partnerschaften auf Augenhöhe sind dieser Strategie absolut nicht dienlich und werden unbewusst geblockt. Gleichzeitig wird dieser zugegeben äußerst dunkle Anteil und sein Mechanismus mit einer doppelten Portion Schuld überkleistert und dadurch in die Tiefen meines unbewussten Schattenreiches verbannt, wo alle abgelehnten, und mit Schuld und Scham besetzten Muster und Anteile in einem Zustand der Zersplitterung vor sich hin vegetieren.

Einem abgespaltenen, verletzten Anteil unserer Selbst die Türe zur Bewusstwerdung zu öffnen, alle Selbsturteile loszulassen und ihn stattdessen durch die Augen der Liebe zu betrachten ist ein großes Geschenk und eine große Heilungs-Chance.

Die Entscheidung für bedingungslose Selbstliebe und dafür, sich die Wahrheit einzugestehen (kein Verdrängen, kein Schönreden, kein Schwelgen in Schuldgefühlen!) ermöglichen uns, selbst tiefsitzende Muster an ihrer Wurzel zu begreifen, sie zu heilen und transformieren.

Wie du in der Praxis mit entlarvten, verletzten Anteilen arbeiten, sie heilen und integrieren kannst, erkläre ich dir in diesem Podcast:

➢ auf dem Blog: http://bit.ly/2DMqYHr

➢ auf iTunes: https://apple.co/2AsJPWE

Wenn du mit mir auf eine heilsame Innenweltreise zum Thema Liebe & Partnerschaft gehen, deine eigenen Beziehungsschatten und verletzte Innere Kinder bewusst machen, heilen und integrieren möchtest (die stets die Wurzeln für alle Beziehungsblockaden sind), freue ich mich wahnsinnig darauf, dich in einem meiner Beziehungsworkshops “Wenn es weh tut, ist es keine Liebe” in München (25.2. & 8.4.), Düsseldorf (3.3.), Stuttgart (10.3.), Berlin (24.3.), Wien (30.3.) oder Leipzig (14.4.) zu sehen. Geh einen Schritt Richtung innerer Ganzheit und erschaffe dir dadurch Schritt für Stück heile und erfüllte Beziehungen. 

Alle Infos und Details zur Anmeldung findest du hier:

➢ https://seelenrave.de/wenn-es-weh-tut-ist-es-keine-liebe-deutschlandtour/

Happy Healing!

Dein